Zum Einstellen der Luftfeder an Federgabel oder Hinterbaudämpfer brauchen Sie eine Dämpferpumpe. Mit ihr erreichen Sie den hohen Druck, den eine Luftfeder braucht, und stellen ihn genauer ein als mit einer normalen Reifenpumpe. Der passende Druck hängt vom Federelement und Ihrer Fahrposition ab.
Richten Sie sich nach den Herstellervorgaben und prüfen Sie den Sag: Er zeigt, wie weit die Federung unter Ihrem Gewicht im Stand einfedert. Eine Druck- oder Sag-Tabelle, die für alle Fahrräder passt, gibt es nicht.
Die passende Dämpferpumpe finden
Achten Sie auf eine gut ablesbare Druckanzeige (Manometer) und einen Anschluss, der zum Ventil Ihres Federelements passt. Ein Ablassventil erleichtert kleine Korrekturen. Ein Schlauch erleichtert das Anschließen, ohne seitlich am Ventil zu ziehen. Der angegebene Maximaldruck beschreibt, bis zu welchem Druck die Pumpe ausgelegt ist. Für Ihr Fahrwerk gilt die Druckgrenze des Dämpfers; der Pumpenwert gibt nicht den Zieldruck vor.
Für eine Werkstatt oder häufige Einstellungen ist eine gut ablesbare Anzeige wichtiger als besonders wenig Gewicht. Eine digitale Anzeige lässt sich bequem ablesen, ist dadurch aber nicht automatisch genauer als ein analoges Manometer. Für Touren zählt dagegen, dass die Pumpe klein und leicht genug ist, um sie mitzunehmen.
Drei Beispiele sind die Topeak Nano Shock mit 56 Gramm und einem angegebenen Maximaldruck von 300 psi, die Topeak PocketShock Digital mit digitaler Anzeige und Ablassventil sowie ebenfalls bis zu 300 psi und die SKS MSP. Sie wiegt laut Hersteller 150 Gramm und ist für bis zu 290 psi ausgelegt. Die Angaben nennen technische Daten der Modelle. Sie vergleichen weder deren Messgenauigkeit noch ihre Haltbarkeit unabhängig.
Prüfen Sie vor dem Kauf, ob die Pumpe zum Ventil Ihres Federelements passt und ob ihr Druckbereich ausreicht. Überschreiten Sie niemals den Maximaldruck des Dämpfers. Dieser Wert hängt vom Modell ab und steht in dessen Anleitung.
Sag richtig messen
Der Sag zeigt, wie weit die Federung einsinkt, wenn Sie in normaler Fahrposition auf dem Fahrrad sitzen. Ziehen Sie dafür Ihre übliche Fahrkleidung an und nehmen Sie das Gepäck mit, das Sie normalerweise dabeihaben. Stellen Sie Druckstufen- oder Plattformversteller für die Messung auf „offen“, sofern die Anleitung Ihres Federelements nichts anderes vorgibt.
Schieben Sie den Gummiring (O-Ring) am Standrohr der Gabel oder am Dämpfer bis zur Dichtung (dem Abstreifer). Setzen Sie sich vorsichtig aufs Fahrrad, ohne die Federung zusätzlich einzudrücken oder zu wippen. Halten Sie die Fahrposition kurz, steigen Sie vorsichtig ab und messen Sie, wie weit sich der O-Ring verschoben hat. Für das allgemeine FOX-Messverfahren sind 15 bis 30 Sekunden in Fahrposition vorgesehen.
Teilen Sie den gemessenen Weg durch den gesamten Federweg und rechnen Sie das Ergebnis in Prozent um. Bei 50 Millimetern Dämpferweg entsprechen 12,5 Millimeter Sag beispielsweise 25 Prozent. Messen Sie die Gabel und den Hinterbaudämpfer getrennt.
Die Zielwerte unterscheiden sich je nach Fahrrad, Dämpfer und Einsatz. FOX nennt für bestimmte FLOAT-DPS- und DPX2-Modelle aus dem Modelljahr 2020 einen Sag von 25 bis 30 Prozent. RockShox gibt für Hinterbaudämpfer je nach Federweg andere Orientierungsbereiche an. Verwenden Sie deshalb zuerst die Vorgabe für Ihr Fahrrad oder Ihr genaues Dämpfermodell.
Luftdruck Schritt für Schritt einstellen
Beginnen Sie mit der Anleitung des Fahrrad- oder Dämpferherstellers. Manche Anleitungen nennen einen Startdruck nach Körpergewicht. Nutzen Sie eine solche Tabelle nur, wenn sie ausdrücklich für Ihr Modell gilt. Prüfen Sie anschließend mit dem Sag-Test, ob der Druck passt.
Schrauben Sie den Pumpenkopf gerade auf das Ventil und befestigen Sie ihn nach Pumpenanleitung. Setzen Sie das Gewinde nicht schief an und ziehen Sie es nicht mit Gewalt fest. Beim Anschließen gelangt Luft in den Pumpenschlauch. Dadurch kann sich der Druck im Dämpfer verändern und die Anzeige anders ausfallen als erwartet.
Passen Sie den Druck schrittweise an und messen Sie den Sag erneut. Bei zu viel Sag erhöhen Sie den Druck; bei zu wenig Sag senken Sie ihn. FOX nennt in einem allgemeinen Einstellverfahren Änderungen von 5 psi beziehungsweise 0,35 bar zwischen den Messungen. Das ist eine brauchbare Orientierung, ersetzt aber nicht die Vorgaben Ihres Dämpferherstellers.
Einige Luftdämpfer haben eine positive und eine negative Luftkammer. Durch Einfedern gleichen sich die Drücke in den beiden Kammern aus. Folgen Sie dafür genau der Anleitung des jeweiligen Modells. FOX beschreibt für bestimmte FLOAT-DPS- und DPX2-EVOL-Dämpfer, wie Sie den Dämpfer bei angeschlossener Pumpe langsam zusammendrücken. SRAM gibt für den Vivid Air eine eigene Vorgehensweise vor. Übertragen Sie solche Schritte nicht ungeprüft auf andere Dämpfer.
Zischen und Druckanzeigen verstehen
Ein Zischen beim Abschrauben bedeutet nicht automatisch, dass Luft aus dem Dämpfer entweicht. Bei vielen Pumpen stammt das Geräusch aus dem Pumpenkopf oder Schlauch. Das Verhalten hängt jedoch vom Anschluss und Pumpenmodell ab. Prüfen Sie den Druck deshalb über Sag und Fahrverhalten, statt allein nach dem Geräusch zu urteilen.
Bei Pumpen mit langem Schlauch kann sich der Druck beim Anschließen besonders stark verändern. SKS nennt für den etwa zwei Meter langen Schlauch des Rennkompressor Suspension einen typischen Druckabfall von 30 bis 50 psi im Dämpfer beim Anschließen. Diese Besonderheit gilt für dieses Modell und lässt sich nicht auf kurze Handpumpen übertragen.
Schrauben Sie die Pumpe nicht wiederholt an und ab, nur um den angezeigten Wert zu kontrollieren. Jeder Anschluss kann Luft in den Schlauch befördern und den Druck im Dämpfer beeinflussen. Ein leises Zischen beim Abnehmen allein ist kein Grund, den Druck sofort nachzufüllen.
Nach der Einstellung auf dem Trail testen
Fahren Sie nach dem Einstellen eine kurze Strecke, die Sie gut kennen. Prüfen Sie, ob die Federung beim Fahren ausreichend einfedert und nach einem Schlag kontrolliert zurückfedert. Ändern Sie jeweils nur eine Einstellung, damit Sie die Wirkung zuordnen können.
Stimmen Sie zuerst den Luftdruck ab. Danach stellen Sie die Zugstufe ein. Sie regelt, wie schnell die Federung nach dem Einfedern wieder ausfedert. Wenn das Fahrwerk zu schnell zurückfedert, erhöhen Sie die Zugstufendämpfung in kleinen Schritten. Bleibt es bei wiederholten Schlägen zunehmend tief im Federweg, braucht es mehr Ausfedergeschwindigkeit. Welche Drehrichtung und Klickzahl dafür gelten, steht in der Anleitung des jeweiligen Dämpfers.