Überlegen Sie vor dem Kauf, ob Sie auf Forstwegen, einfachen Trails oder anspruchsvollen Abfahrten fahren. Davon hängen Radtyp, Federweg (wie weit die Federung einfedert) und Motorunterstützung ab. Ein großer Akku und ein kräftiger Motor reichen allein nicht aus, damit das E-MTB zu Ihnen passt.
Testen Sie passende Räder auf einer Strecke mit Kurven, Anstiegen und unebenem Untergrund. So merken Sie bei der Probefahrt, ob das Rad zu Ihrem Fahrstil, Ihrer Körpergröße und Ihren Touren passt.
Wo Sie fahren
Für befestigte Wege, moderate Touren und den Alltag reicht ein E-Hardtail oft aus. Es hat eine Federgabel vorn, aber keine Federung am Hinterrad. Dadurch ist das Rad einfacher aufgebaut. Auf rauen, technischen Trails bietet ein Hardtail weniger Komfort und Reserven als ein Fully.
Ein Fully hat Federung vorn und hinten und eignet sich besonders für längere Fahrten auf unebenem Gelände. Es ist meist aufwendiger gebaut und teurer. Wenn Sie häufig anspruchsvolle Abfahrten fahren, lohnt sich auch ein Blick auf robustere Modelle mit mehr Federweg. Trail-E-MTBs liegen typischerweise bei etwa 120 bis 150 Millimetern Federweg, All-Mountain-Modelle bei 140 bis 160 Millimetern und Enduro-Bikes bei 160 bis 180 Millimetern. Das sind Orientierungswerte, keine festen Kaufregeln. Für einfache Wege kann ein langhubiges Rad unnötig schwer und aufwendig sein.
Wenn Sie das Rad auch im Alltag nutzen möchten, prüfen Sie, ob Licht und Schutzbleche montierbar oder bereits vorhanden sind. Für einen Gepäckträger gilt dasselbe. Klären Sie außerdem, ob das Gesamtgewicht zu Ihrem Abstellplatz passt und ob Sie das Rad dort tragen müssen.
Motor und Unterstützung
Bei einem üblichen Pedelec unterstützt der Motor nur, während Sie treten. In Deutschland endet die Unterstützung bei 25 km/h. Eine Anfahr- oder Schiebehilfe kann bis 6 km/h unterstützen. Ein S-Pedelec, das bis 45 km/h unterstützt, gehört rechtlich zu einer anderen Fahrzeugklasse.
Beim E-MTB zählt neben der Kraft des Motors vor allem, wie fein er sich steuern lässt. Das Drehmoment beschreibt die Drehkraft des Motors. Ein höheres Drehmoment hilft am steilen Berg oder bei hoher Zuladung. Auf rutschigem Untergrund kann der Motor damit aber auch kräftig einsetzen. Testen Sie deshalb beim Händler das langsame Anfahren und die Unterstützung am Anstieg. Achten Sie darauf, ob Sie die Leistung kontrolliert dosieren können.
Ein leichteres oder weniger stark unterstützendes System kann für kürzere Touren und einfaches Gelände besser passen. Entscheidend ist, dass sich der Motor in den Situationen angenehm anfühlt, die Sie tatsächlich fahren.
Akku und Reichweite
Die Akkukapazität wird in Wattstunden (Wh) angegeben. Ein Akku mit mehr Wattstunden speichert mehr Energie, wiegt aber mehr, kostet mehr und braucht länger zum Laden. Wählen Sie die Kapazität daher nach Ihren üblichen Touren und nicht allein nach dem größten verfügbaren Wert.
Die Reichweite hängt unter anderem von Höhenmetern, Untergrund, Unterstützungsstufe, Fahrtempo, Beladung, Temperatur und Wind ab. Deshalb lässt sie sich nicht verlässlich aus der Wattstundenzahl allein ableiten. Planen Sie mit Ihrer längsten realistischen Tour und berücksichtigen Sie dabei, wie viel Sie selbst treten und wo Sie laden können. Fragen Sie beim Händler, unter welchen Bedingungen eine angegebene Reichweite berechnet wurde. Wenn die Reichweite kaufentscheidend ist, nutzen Sie den Reichweitenrechner des konkreten Antriebssystems und behandeln Sie das Ergebnis als Schätzung.
Prüfen Sie auch, ob sich der Akku zum Laden entnehmen lässt, wie schwer er ist und ob Ersatz verfügbar ist. Fragen Sie nach Garantiebedingungen und den voraussichtlichen Kosten eines Ersatzakkus. Für Lagerung und Pflege gelten die Hinweise des jeweiligen Herstellers, denn Empfehlungen für ein Akkusystem lassen sich nicht ohne Weiteres auf ein anderes übertragen.
Passform und Ausstattung
Wählen Sie die Rahmengröße nicht nur anhand einer Körpergrößentabelle. Lassen Sie Sattel und Lenkerbereich vor der Probefahrt einstellen. Prüfen Sie, ob die Sitzposition auch nach mehreren Minuten bequem bleibt. Das Rad sollte sich sicher wenden lassen und bergauf wie bergab kontrolliert anfühlen. Achten Sie auch darauf, ob sich das Rad vorne oder hinten schwer anfühlt.
Testen Sie Bremsen und Schaltung unter den Bedingungen, für die Sie das E-MTB kaufen. Die Bremsen sollten sich gut dosieren lassen, die Schalthebel müssen erreichbar sein und das Display sollte sich während der Fahrt verständlich bedienen lassen. Prüfen Sie außerdem, ob der Akku und die angebauten Teile fest sitzen und nichts klappert.
Das Gewicht zählt auch dann, wenn der Motor kräftig unterstützt. Beim Tragen über eine Treppe oder beim Heben in einen Fahrradständer bleibt es spürbar. Wenn Sie das Rad regelmäßig ohne Motor bewegen, fahren Sie es auf der Probefahrt auch mit ausgeschalteter Unterstützung.
Probefahrt richtig nutzen
Planen Sie für die Probefahrt mindestens 15 Minuten ein und wählen Sie eine abwechslungsreiche Strecke. Eine kurze Runde auf glattem Boden zeigt wenig darüber, wie Motor, Fahrwerk und Bremsen im Gelände reagieren. Vergleichen Sie mehrere Räder und, wenn möglich, auch unterschiedliche Preisklassen.
Achten Sie während der Fahrt besonders auf diese Punkte:
- Fühlt sich die Sitzposition weiterhin angenehm an?
- Lässt sich der Motor beim langsamen Anfahren und am Berg fein dosieren?
- Bleibt das Rad in Kurven und auf unebenem Untergrund gut kontrollierbar?
- Sind Bremsen und Schaltung leicht zu bedienen?
- Können Sie den Akku unkompliziert entnehmen und laden?
Bremsen Sie beim ersten Test vorsichtig, bis Sie die Wirkung kennen. Bitten Sie den Händler, die Federung passend zu Ihrem Gewicht und Einsatz einzustellen. Eine schlecht eingestellte Sattelhöhe oder Federung verfälscht den Eindruck vom Rad.
Service und Folgekosten
Fragen Sie vor dem Kauf, welche Wartung das Rad benötigt und wo Sie Reparaturen durchführen lassen können. Fragen Sie auch, ob ein Ersatzakku erhältlich ist und wer Ihnen bei Problemen mit Motor, Display oder Bedienelementen hilft. Ein Fachhändler kann Ihnen diese Punkte für das konkrete Modell erklären.
Rechnen Sie auch Verschleißteile und nötiges Zubehör in Ihr Budget ein. Wie viel Sie dafür zahlen, hängt vom Rad und davon ab, wie Sie es nutzen. Lassen Sie sich daher keine pauschale Folgekostenzahl nennen, sondern fragen Sie nach den Preisen und Wartungsvorgaben für das Modell, das Sie in Betracht ziehen.
Auf Waldwegen fahren
In Deutschland erlaubt das Bundeswaldgesetz das Radfahren im Wald auf Straßen und Wegen. Einzelheiten regeln die Länder; dazu kommen lokale Sperrungen und Schutzgebietsbestimmungen. Prüfen Sie deshalb die Beschilderung und die Regeln am jeweiligen Ort. Aus der bundesweiten Regel lässt sich keine pauschale Erlaubnis für jeden schmalen Trail ableiten.
Bleiben Sie auf erlaubten Wegen, passen Sie Ihre Geschwindigkeit an und nehmen Sie Rücksicht auf andere Erholungssuchende und Tiere. Fahren Sie nicht querfeldein.