Sitzknochenabstand selbst messen: So finden Sie den passenden Sattel

Ein falscher Sattel verursacht beim Radfahren häufig Schmerzen. Beim Sitzen lastet ein großer Teil des Körpergewichts auf der kleinen Sattelfläche. Ein zu schmaler, zu breiter, zu harter oder zu weicher Sattel drückt dann genau an den belasteten Stellen.

Der erste Schritt zur Abhilfe ist der Sitzknochenabstand: der Abstand zwischen den beiden Sitzbeinhöckern, auf denen Sie beim Sitzen aufliegen. Diesen messen Sie zu Hause mit einem Stück Wellpappe und leiten daraus die passende Sattelbreite ab.

Die Wellpappe-Methode

Für die Messung brauchen Sie ein Stück Wellpappe, eine harte, ebene Unterlage und ein Maßband. Legen Sie die Pappe auf den Boden oder auf einen festen Tisch. Auf einem weichen Polster verschwinden die Abdrücke oder werden unklar, deshalb ist eine harte Unterlage wichtig. Setzen Sie sich dann so auf die Pappe, wie Sie auf dem Fahrrad sitzen würden: leicht nach vorn geneigt, die Füße flach auf dem Boden. Bleiben Sie etwa eine Minute in dieser Position, damit sich die Sitzknochen deutlich abdrücken.

Wenn Sie aufstehen, sehen Sie zwei Vertiefungen oder dunklere Stellen in der Wellpappe. Das sind die Abdrücke der Sitzbeinhöcker. Messen Sie den Abstand zwischen den Mittelpunkten der beiden Abdrücke. Dieser Wert ist Ihr Sitzknochenabstand.

So leiten Sie die Sattelbreite ab

Aus dem gemessenen Abstand ergibt sich die Sattelbreite: Rechnen Sie etwa zwei Zentimeter dazu. Die Sitzknochen sollen auf der breiten Sattelfläche aufliegen, nicht auf dem Sattelrand. Ein zu schmaler Sattel drückt die Sitzknochen über den Rand, ein zu breiter scheuert an den Oberschenkeln.

Prüfen Sie zusätzlich die Angaben des jeweiligen Herstellers. Die Marken messen unterschiedlich, und viele geben in ihren Größentabellen an, welcher Sattel zu welchem Sitzknochenabstand passt. Ein Sattel mit einer bestimmten Breite kann bei einer Marke passen, bei einer anderen nicht. Die zwei Zentimeter sind ein Richtwert, keine feste Regel.

Wann die Hausmessung nicht ausreicht

Die Messung zu Hause ist ein guter Ausgangswert, ersetzt aber keine professionelle Sattelvermessung. Der Sitzknochenabstand ändert sich mit der Sitzposition: Wer stark nach vorn gebeugt fährt, hat einen anderen Abstand als jemand, der aufrecht sitzt. Auch die Disziplin spielt eine Rolle. Für ein Rennrad, ein Trekkingrad oder ein Citybike gelten unterschiedliche Anforderungen an den Sattel. Auch das Geschlecht beeinflusst die passende Form.

Wenn Sie nach der Messung unsicher sind oder bereits Schmerzen haben, lohnt der Gang in den Fahrradladen. Dort gibt es Messgeräte, auf denen Sie in Fahrsitzposition Platz nehmen. Die Beratung berücksichtigt neben der Breite auch die Sattelform sowie die Einstellung von Sattelhöhe und Neigungswinkel. Diese Faktoren entscheiden mit darüber, ob der Sattel am Ende bequem ist.