Wer ein Mountainbike kaufen will, steht vor der Frage: Hardtail oder Fully? Das Hardtail federt nur vorne, das Hinterrad bleibt ungefedert. Das Fully federt vorne und hinten und nimmt Stöße an beiden Rädern auf. Kein Typ ist pauschal besser. Welches Rad zu Ihnen passt, hängt vom Gelände, vom Fahrstil, vom Budget und vom geplanten Wartungsaufwand ab.

Die Unterschiede zeigen sich auf dem Trail, beim Gewicht, beim Preis und bei der Wartung. Wer die Stärken beider Bauarten kennt, findet schneller das passende Rad.

Der Unterschied sitzt am Hinterrad

Ein Hardtail hat nur vorne eine Federgabel, das Hinterrad ist starr mit dem Rahmen verbunden. Ein Fully hat zusätzlich einen gefederten Hinterbau: Ein Dämpfer nimmt die Bewegung des Hinterrads auf, bevor sie den Rahmen und Ihren Körper erreicht. Genau diese Federung am Hinterrad spüren Sie beim Fahren am deutlichsten.

Der Federweg gibt an, wie weit sich die Federung einfedern lässt. Ab etwa 150 Millimetern Federweg sind Bikepark-Elemente, große Sprünge und anspruchsvolle Abfahrten möglich. Ein Hardtail ist trotzdem kein veraltetes Konzept: Es hat serienmäßig eine Federgabel und ist bei Freizeitfahrern und in den Speed-Disziplinen weiterhin beliebt.

Das Gelände entscheidet

Das Gelände entscheidet. Wenn Sie entspannt über Waldwege, Feldwege und gut ausgebaute Trails fahren, reicht ein Hardtail. Es ist leichter, kostet weniger und eignet sich gut für flotte Runden. Auch bei E-Mountainbikes gilt: Weder Hardtail noch Fully ist pauschal besser. Terrain und Fahrstil entscheiden.

Anders sieht es auf anspruchsvollen Singletrails aus, also auf schmalen Naturwegen mit engen Kurven. Das gefederte Heck eines Fullys nimmt große Schläge besser auf, etwa beim Bremsen oder über Wurzeln und Steine. Dadurch sind Sie bergab deutlich schneller als mit einem Hardtail. Wenn Sie auf dem Singletrail bergab zügig unterwegs sein wollen, brauchen Sie ein Fully.

Gewicht und Wartung

Ein Hardtail ist in der Regel leichter als ein vergleichbares Fully. Der Rahmen ist einfacher. Dämpfer, Umlenkhebel und die dazugehörigen Lager fehlen. Das geringere Gewicht spüren Sie an Anstiegen, beim Beschleunigen und wenn Sie das Rad über ein Hindernis heben müssen.

Auch bei der Wartung hat das Hardtail Vorteile. Ein Hardtail hat weniger bewegliche Teile, die verschleißen oder gewartet werden müssen. Beim Fully müssen der Dämpfer, die Lager im Hinterbau und die Umlenkung regelmäßig geprüft, gereinigt und je nach Beanspruchung erneuert werden. Wenn Sie Ihr Rad selbst pflegen, planen Sie beim Fully mehr Zeit ein; wenn Sie in der Werkstatt warten lassen, mehr Geld.

Preis und Ausstattung

Ein neues Fully kostet meist deutlich über 2000 Euro. Ein Hardtail ist in der Regel günstiger. Ohne das aufwendige Hinterbaufahrwerk bekommen Sie in derselben Preisklasse oft die hochwertigere Ausstattung, etwa leichtere Laufräder, eine bessere Schaltung oder stärkere Bremsen. Mit einem begrenzten Budget bekommen Sie beim Hardtail mehr Fahrleistung pro Euro.

Welches Rad zu wem passt

Für Einsteiger gilt eine einfache Faustregel: Wer noch nicht genau weiß, wohin die Fahrt geht, und zunächst auf Wegen und leichten Trails unterwegs ist, fährt mit einem Hardtail günstiger und wartungsärmer. Wer von Anfang an auf anspruchsvollen Singletrails und steilen Abfahrten fahren will, greift zum Fully, weil das gefederte Heck dort Komfort und Kontrolle bringt.

Fortgeschrittene sollten zuerst klären, wofür sie das Rad nutzen wollen. Wer hauptsächlich Bikepark und Sprünge fährt, braucht ein Fully mit ausreichend Federweg. Wer zügig unterwegs ist und Wert auf geringes Gewicht legt, findet im Hardtail weiterhin ein ernstzunehmendes Rad. Am besten probefahren Sie beide Varianten, denn Sitzposition und Fahrgefühl lassen sich nicht aus Datenblättern ablesen.