Liegerad und Cruiser im Alltagstest
Wer ein Alltagsrad sucht, hat zwei ungewöhnliche Alternativen zum klassischen Cityrad: Liegerad und Cruiser. Beide bieten mehr Komfort, unterscheiden sich aber in Aufbau, Fahrgefühl und Einsatzbereich.
Der Cruiser fährt aufrecht und hat dicke Reifen. Das Liegerad liegt fast waagerecht in einer Sitzschale, die Beine sind gestreckt. Welches Modell passt, hängt von Ihrer täglichen Strecke, Ihrer Körpergröße und Ihrem Sicherheitsbedürfnis ab.
Was die beiden Radtypen auszeichnet
Ein Cruiser ist ein Fahrrad mit breitem Sattel, hochgezogenem Lenker und meist dicken, ballonartigen Reifen. Sie sitzen aufrecht und treten die Pedale in einer natürlichen, entspannten Haltung. Diese Räder sind für gemütliches Fahren auf ebenen Strecken gedacht. Wer täglich zur Arbeit fährt oder Besorgungen in der Stadt macht, schätzt daran vor allem den Komfort: Der Rücken bleibt gerade, die Arme liegen entspannt auf dem Lenker, und die dicken Reifen federn Kopfsteinpflaster und Bordsteinkanten spürbar ab.
Das Liegerad ist anders aufgebaut. Statt auf einem Sattel sitzen Sie in einer Schale, die Ihren Rücken stützt. Die Pedale liegen vor Ihnen, die Kurbel liegt auf Höhe des Sitzes oder leicht darüber. Dadurch ist die Stirnfläche kleiner als bei einem aufrechten Rad. Das senkt den Luftwiderstand auf langen Strecken. Gleichzeitig entlastet die Sitzposition den unteren Rücken und die Hände, weil kein Körpergewicht auf dem Lenker lastet.
Für welche Strecken die Räder geeignet sind
Der Cruiser eignet sich am besten für kurze bis mittlere Strecken in der Stadt und auf ebenen Wegen. Eine Fahrt zum Bäcker, zur Arbeit oder an den See ist damit bequem machbar, auch wenn sie drei Stunden dauert, wie Nutzerberichte zeigen. Die aufrechte Sitzposition verschafft Ihnen eine gute Übersicht über den Verkehr, und die breiten Reifen geben auf Asphalt ein sicheres Gefühl. Auf längeren Strecken mit vielen Steigungen wird es anstrengend, weil der Cruiser schwer ist und die Gangschaltung oft nur wenige Gänge bietet.
Das Liegerad ist für Pendler interessant, die täglich zehn Kilometer oder mehr fahren und dabei Rücken- oder Nackenbeschwerden vermeiden wollen. Die aerodynamische Sitzposition macht sich vor allem auf geraden, flachen Strecken und bei Gegenwind bezahlt. Auf hügeligem Gelände wird es schwieriger: Im Liegen können Sie weniger Kraft auf die Pedale bringen als im Stehen, und das Anfahren an Steigungen erfordert Übung. Für reine Stadtfahrten mit vielen Ampeln ist das Liegerad weniger praktisch, weil der tiefe Sitz die Sicht auf den Verkehr einschränkt und Sie im dichten Verkehr leichter übersehen werden.
Grenzen von Cruiser und Liegerad
Beide Radtypen haben klare Einschränkungen, die Sie vor dem Kauf kennen sollten. Der Cruiser ist kein Sportgerät. Wer sehr schnell fahren will oder regelmäßig Berge überwinden muss, wird mit einem normalen Trekkingrad oder einem E-Bike besser bedient. Auch bei schlechtem Wetter zeigt der Cruiser Schwächen: Die breiten Reifen haben auf nassem Laub wenig Grip, und die oft fehlende Federung gibt Stöße direkt an den Rahmen weiter.
Das Liegerad hat andere Grenzen. Die tiefe Sitzposition liegt oft unterhalb der Motorhaubenlinie von Autos. Das ist im Straßenverkehr ein Sicherheitsrisiko. Viele Fahrer montieren deshalb eine auffällige Fahne oder ein blinkendes Licht am Heck. Zudem müssen Sie sich an das Ein- und Aussteigen gewöhnen, und das Rad lässt sich nicht einfach über eine Treppe tragen. Wer sein Rad regelmäßig in der Bahn transportiert oder in einer engen Wohnung unterbringt, hat mit einem Liegerad schnell Platzprobleme.
Worauf Sie vor dem Kauf achten sollten
Bevor Sie sich für eines der beiden Räder entscheiden, sollten Sie eine Probefahrt machen. Das gilt besonders für das Liegerad, weil sich die Sitzposition und die Lenkung völlig anders anfühlen als bei einem normalen Fahrrad. Viele Händler bieten Testtermine an, manche vermieten Liegeräder auch für ein Wochenende. Achten Sie bei der Probefahrt darauf, ob Sie den Verkehr gut überblicken, ob Sie sicher anfahren und bremsen können und ob die Sitzposition auch nach längerer Fahrt noch angenehm ist.
Beim Cruiser ist die richtige Rahmengröße entscheidend. Die aufrechte Sitzposition funktioniert nur, wenn der Sattel richtig eingestellt ist und Sie mit beiden Füßen sicher auf dem Boden stehen. Prüfen Sie außerdem, ob das Rad Schutzbleche, eine Beleuchtung und einen Gepäckträger hat. Diese Ausstattung ist für den Alltag wichtiger als eine sportliche Gangschaltung, denn ohne sie kommen Sie bei Regen, in der Dunkelheit oder mit Einkäufen nicht zurecht.
Ein neuer Cruiser ist nicht billig, wie ein Blick auf den Berliner Markt zeigt: Die Auswahl ist groß, aber günstige Modelle sind selten. Wer sparen will, kauft gebraucht, zum Beispiel über Kleinanzeigen oder auf dem Flohmarkt. Achten Sie dabei auf Rost am Rahmen, abgefahrene Reifen und die Funktion der Bremsen. Ein gebrauchtes Liegerad zu finden ist schwieriger, weil diese Räder seltener verkauft werden. Hier lohnt sich der Kontakt zu spezialisierten Händlern oder zu Liegerad-Foren, in denen Privatleute ihre Räder anbieten.