Fahrradsattel für Damen und Herren: Was wirklich zählt
Ein unpassender Sattel verursacht beim Radfahren am häufigsten Schmerzen. Ob ein Sattel als Damen- oder Herrensattel verkauft wird, sagt wenig über die Passform aus. Entscheidend sind Sitzknochenabstand, Sattelform und Sitzposition auf dem Rad.
Sitzknochenabstand und Fahrstil lassen sich messen. Wer sie kennt, findet einen Sattel, mit dem man auch längere Strecken ohne Druckstellen und Taubheitsgefühle fährt.
Warum die Bezeichnung wenig aussagt
Hersteller bezeichnen Sättel als Damen- oder Herrensättel, weil die Sitzknochen bei Frauen im Schnitt etwas weiter auseinander liegen als bei Männern. Aus diesem Mittelwert ergeben sich breitere Sättel für Damen und schmalere für Herren. Der Schnitt gibt eine grobe Richtung vor, aber keine Garantie für die eigene Passform.
Der Haken: Der Abstand der Sitzknochen variiert stark zwischen einzelnen Personen, und die Werte von Männern und Frauen überlappen sich. Es gibt Männer mit breitem Becken und Frauen mit schmalem. Außerdem gibt es keine einheitliche Norm, was ein Damensattel im Detail sein muss. Jeder Hersteller setzt die Bezeichnung anders um. Ein schmaler Damensattel kann einem Mann mit schmalen Sitzknochen besser passen als ein breiter Herrensattel.
Die Sitzknochen bestimmen die Sattelbreite
Die Breite des Sattels richtet sich nach dem Abstand Ihrer Sitzknochen, den beiden Knochenpunkten am unteren Becken, auf denen Sie im Sitzen lasten. Zu schmale Sättel drücken auf das Weichteilgewebe zwischen den Sitzknochen, zu breite reiben an den Oberschenkeln und stören die Beinbewegung.
Den Sitzknochenabstand messen Sie zu Hause mit einem Stück Wellpappe oder fester Pappe. Setzen Sie sich aufrecht darauf, stehen Sie auf und messen Sie den Abstand zwischen den beiden deutlich sichtbaren Eindrücken. Zu diesem Wert kommt üblicherweise eine Zugabe, denn der Sattel soll die Sitzknochen tragen und nicht den Bereich dazwischen belasten. Viele Fahrradläden bieten Messhilfen mit Gelkissen an, die denselben Wert bestimmen.
Sättel gibt es in verschiedenen Breiten, meist in Abstufungen. Den gemessenen Sitzknochenabstand rechnen Sie mit der Zugabe in die nötige Sattelbreite um. Der gemessene Wert ist nur der Ausgangspunkt. Entscheidend ist das Gefühl beim Fahren: Der Druck sollte auf den Sitzknochen liegen, nicht auf Damm oder Genitalbereich.
Die Sattelform folgt der Sitzposition
Die Form des Sattels hängt davon ab, wie weit Sie auf dem Fahrrad nach vorne geneigt sitzen. Aufrecht auf Stadt- oder Hollandrädern brauchen Sie einen breiten, flachen Sattel mit Polsterung. In dieser Haltung lastet fast das gesamte Körpergewicht auf dem Sattel, die Stützfunktion ist entscheidend.
Wer sportlich mit nach vorne geneigtem Oberkörper fährt, braucht einen schmaleren, länger geschnittenen Sattel. In dieser Position verlagert sich ein Teil des Gewichts auf Hände und Pedale, der Sattel muss eher führen als tragen. Ein zu breites Modell reibt in dieser Haltung an den Oberschenkelinnenseiten.
Auch eine Aussparung oder ein Kanal in der Sattelmitte kann helfen. Beide entlasten den Druck auf den Dammbereich, wo Nerven und Blutgefäße liegen. Besonders bei längerer sportlicher Belastung macht sich das bemerkbar. Eine dicke, weiche Polsterung ist dabei kein Zeichen für mehr Komfort. Weiches Material sackt unter dem Gewicht zusammen und drückt dann genau auf die empfindlichen Stellen, anstatt die Sitzknochen zu tragen. Wer häufig Schmerzen hat, sollte besser eine festere Sattelschale mit Aussparung probieren statt ein dickeres Polster.
Vor dem Kauf ausprobieren
Gehen Sie mit zwei Angaben in den Fahrradladen: dem gemessenen Sitzknochenabstand und Ihrer typischen Sitzposition. Beschreiben Sie, ob Sie aufrecht, leicht geneigt oder stark nach vorne gebeugt fahren. Daran orientieren sich Breite und Form, unabhängig davon, ob auf dem Sattel Damen oder Herren steht.
Planen Sie Zeit für Probefahrten ein. Viele Läden haben Testmodelle, manche auch Leihsättel für mehrere Tage. Eine kurze Fahrt um den Block reicht nicht, erst nach längerer Fahrzeit zeigen sich Druckstellen. Achten Sie während der Fahrt auf Taubheitsgefühle oder Brennen im Genitalbereich, das sind Warnsignale für einen falsch gewählten Sattel. Nehmen Sie außerdem Ihre übliche Radhose mit, denn Polster und Sattel wirken beim Fahren zusammen.