E-Bikes sind in Deutschland die meistverkaufte Fahrradart. Nach Branchenangaben von ZIV, VSF und Zukunft Fahrrad waren 2025 rund zwei der 3,8 Millionen verkauften Räder E-Bikes, 52,7 Prozent des Absatzes.

Käufer treffen zwei getrennte Entscheidungen: welcher Fahrradtyp zum Einsatzzweck passt und wo der Motor sitzt. Beides bestimmt Fahrgefühl, Wartungsaufwand und Preis. Die höchste Leistungs- oder Drehmomentzahl ist selten entscheidend. Wichtiger ist, dass Rad, Motorabstimmung, Gelände und Zuladung zusammenpassen.

Was Pedelec und S-Pedelec unterscheidet

Im Alltag heißt fast jedes elektrisch unterstützte Rad E-Bike. Für den Kauf ist die Unterscheidung zwischen Pedelec und S-Pedelec wichtiger, weil sie über Rechtslage und Nutzung entscheidet.

Ein Pedelec unterstützt nur beim Treten. Die Nenndauerleistung, also die Leistung, die der Motor dauerhaft abgeben darf, ist gesetzlich begrenzt. Die Unterstützung nimmt mit der Geschwindigkeit ab und schaltet bei 25 km/h oder beim Ende des Tretens ab. Nach § 63a StVZO gilt ein solches Rad in Deutschland weiterhin als Fahrrad, es braucht weder Kennzeichen noch Führerschein. Eine Anfahr- oder Schiebehilfe bis 6 km/h ist erlaubt.

Ein S-Pedelec unterstützt bis 45 km/h und ist in Deutschland ein Kraftfahrzeug. Es braucht ein Versicherungskennzeichen, die Fahrerlaubnisklasse AM und muss grundsätzlich auf der Fahrbahn statt auf dem Radweg fahren. Ausnahmen können von der Beschilderung und den Landesregelungen abhängen. Wer ein S-Pedelec erwägt, sollte zuerst klären, ob diese Pflichten zum eigenen Pendelweg passen, und nicht nur auf die Zeitersparnis schauen.

Die Fahrradtypen nach Einsatzzweck

City-Pedelec, Trekkingrad, E-Mountainbike, Lastenrad und Faltrad unterscheiden sich weniger in der Motorleistung als in Ausstattung und Fahrverhalten. Die Bezeichnungen beschreiben Ausstattung und Nutzung. Sie legen nicht automatisch fest, wo der Motor sitzt, wie weit das Rad fährt oder welche Rechtsklasse gilt.

Typ Passt besonders zu Worauf beim Kauf achten
City-/Urban-Pedelec Stadtwege, Einkauf, kurze bis mittlere Alltagsfahrten Aufrechte Sitzposition, sicherer Einstieg, Licht, Schutzbleche, Gepäckträger, gut dosierbare Unterstützung
Trekking-Pedelec Arbeitsweg, längere Touren, gemischte Strecken Reichweitenreserve, bequeme Ergonomie, Gepäcktransport, passende Bremsen und Reifen
E-Mountainbike Gelände, steilere Wege, sportliches Fahren Motorreaktion bei niedriger Geschwindigkeit, Fahrwerk, Reifen, Bremsen
E-Lastenrad Kinder, Einkäufe, regelmäßiges Transportgut Zulässiges Gesamtgewicht, Zuladung, Bremsleistung, Wendekreis, Ladungssicherung
Kompakt-/Faltrad Wenig Stauraum, kurze Wege, Kombination mit Bahn und Auto Gewicht beim Tragen, Faltmaß, Handhabung, Reichweite
S-Pedelec Längere Pendelstrecken mit höherer Geschwindigkeit Abweichende Fahrzeugklasse und Pflichten

Für die Stadt reicht meist ein City-Pedelec mit gut dosierbarer Unterstützung, weil häufiges Anfahren und langsames Rangieren dazugehören. Wer regelmäßig steile Anstiege fährt oder viel Gepäck transportiert, sollte die Motorreaktion unter Last testen und auf eine passende Übersetzung achten. Bei Lastenrädern ist die Probefahrt mit realistischer Beladung besonders wichtig, weil sich ein beladenes Rad deutlich anders fährt als ein leeres.

Mittelmotor, Vorderrad- und Hinterradnabenmotor

Die Motorposition bestimmt, wie sich das Rad anfühlt und wie aufwendig die Wartung wird. Drei Bauarten sind verbreitet.

Der Mittelmotor sitzt im Bereich des Tretlagers. Sein Gewicht liegt zentral, bei passender Akkuposition wirkt das Fahrverhalten dadurch ausgewogen. Weil der Motor über die Fahrradschaltung auf das Hinterrad wirkt, kann die vorhandene Gangwahl beim Bergauffahren mitgenutzt werden. Dafür braucht es einen entsprechend konstruierten Rahmen, und die zusätzliche Motorkraft läuft über Kette und Ritzel, was deren Verschleiß erhöht.

Der Vorderradnabenmotor sitzt in der Vorderradnabe. Die zusätzliche Belastung muss für Gabel und Rahmen ausgelegt sein. Auf losem oder nassem Untergrund und in Kurven kann das Vorderrad leichter durchdrehen oder wegrutschen. Die Bauart kommt bei bestimmten günstigen oder speziell konstruierten Rädern vor, sie ist nicht pauschal ungeeignet.

Der Hinterradnabenmotor sitzt in der Hinterradnabe und treibt das Rad direkt an. Die Kette wird dadurch nicht zusätzlich von der Motorleistung belastet, manche Systeme arbeiten leise. Nachteile sind die hecklastigere Gewichtsverteilung und der umständlichere Hinterradausbau, etwa bei einer Reifenpanne.

Kriterium Mittelmotor Vorderradnabenmotor Hinterradnabenmotor
Position Tretlagerbereich Vorderradnabe Hinterradnabe
Gewichtslage Zentral, bei passender Akkuposition ausgewogen Gewicht vorn Gewicht hinten
Kraftübertragung Über den Fahrradantrieb Direkt am Vorderrad Direkt am Hinterrad
Möglicher Vorteil Nutzt die Gangwahl, zentraler Schwerpunkt Einfache Nabenlösung bei passenden Rädern Kette wird nicht zusätzlich belastet, kann leise sein
Möglicher Nachteil Mehr Belastung für Kette und Ritzel, spezieller Rahmen Traktion auf losem oder nassem Untergrund prüfen Hinterradausbau aufwendiger, Gewicht am Heck

Keine Bauart gewinnt in jeder Situation. Mittelmotoren sind bei vielen heutigen City- und Trekkingrädern verbreitet, das macht Nabenmotoren aber nicht grundsätzlich schlechter. Der ADFC nennt ausdrücklich Vorteile der Nabenmotoren, etwa die geringere Zusatzbelastung der Kette beim Heckmotor.

Drehmoment und Leistung richtig einordnen

Leistung und Drehmoment werden oft verwechselt. Watt bezeichnet die Leistung. Bei einem gewöhnlichen Pedelec ist die Nenndauerleistung gesetzlich begrenzt. Newtonmeter (Nm) beschreibt das Drehmoment, also wie kräftig die Drehbewegung unterstützt wird. Das Drehmoment ist beim Anfahren am Berg und mit Last relevant.

Stiftung Warentest nennt für die untersuchten Urban-E-Bikes 2026 Drehmomentwerte von 40 bis 70 Nm, viele Modelle für die Stadt liegen bei 40 bis 45 Nm. Diese Werte sind ein Vergleich innerhalb eines Tests, keine allgemeingültige Empfehlung. Der ADFC weist auf die Kehrseite hin: Sehr kräftige Motoren können im Alltag unnötig sein und bei ungeübten Fahrern durch starkes Beschleunigen die Kontrolle erschweren. Hohe Unterstützung ist dann sinnvoll, wenn steiles Gelände, hohe Zuladung oder besondere körperliche Anforderungen dazukommen.

Die Motorabstimmung und die Sensoren, die das Treten messen, bestimmen mit, wie natürlich oder abrupt sich die Unterstützung anfühlt. Deshalb ersetzt keine Zahl auf dem Datenblatt die Probefahrt.

Worauf Sie bei der Probefahrt achten

Eine Probefahrt sollte mehrere Situationen abdecken, die im Alltag vorkommen. Fahren Sie auf ebener Strecke an, starten Sie an einer Steigung neu, wechseln Sie die Unterstützungsstufen, rangieren Sie langsam, bremsen Sie kräftig und fahren Sie Kurven. Steigen Sie auf und ab, und testen Sie das Rad, wenn möglich, mit Gepäck oder realistischer Last. Bei einem Lastenrad gehört die beladene Fahrt zwingend dazu.

Achten Sie dabei auf Ihr eigenes Fahrgefühl. Prüfen Sie, ob die Unterstützung gleichmäßig oder ruckartig kommt, ob sich das Rad bei niedriger Geschwindigkeit gut kontrollieren lässt und ob die Sitzposition passt. Diese Eindrücke sagen mehr über das richtige Rad aus als die höchste Drehmomentzahl im Datenblatt.