E-Mountainbikes im Vergleich
Beim Kauf eines E-Mountainbikes zählt das Zusammenspiel von Motor, Akkugröße und Fahrverhalten im Gelände. Ein starker Motor nützt wenig, wenn der Akku nach einer Stunde leer ist, und ein großer Akku macht das Rad so schwer, dass es in technischen Passagen unhandlich wird. Käufer sollten die drei Komponenten deshalb gemeinsam bewerten und nicht einzelne Spitzenwerte vergleichen.
Was der Motor fürs Fahren bedeutet
Der Motor ist das Herzstück eines E-Mountainbikes, und die Unterschiede zwischen den Systemen sind größer, als die reinen Leistungszahlen vermuten lassen. Neben der maximalen Leistung und dem Drehmoment entscheiden vor allem vier Eigenschaften über das Fahrgefühl: die Unterstützung beim Anfahren, die Kraftentfaltung, das Verhalten oberhalb der 25-km/h-Grenze und die Lautstärke.
Das Drehmoment, gemessen in Newtonmetern (Nm), gibt an, wie kräftig der Motor aus dem Stand und bei niedrigen Trittfrequenzen schiebt. Aktuelle Vollantriebs-Motoren mit mehr als 100 Nm machen steile Anstiege deutlich einfacher und ermöglichen das reine Bergauffahren, im Fachjargon Uphill genannt. Wer vor allem lange Touren mit moderaten Steigungen fährt, kommt mit weniger Drehmoment gut zurecht und spart dafür Gewicht.
Mindestens so wichtig wie das Drehmoment ist die Modulation, also die Feinheit, mit der der Motor auf Ihre Tretkraft reagiert. Ein gut abgestimmter Motor gibt die Leistung sanft und vorhersehbar ab, sodass Sie in Schotterkurven oder Wurzelpassagen die Kontrolle behalten. Ein aggressiv ansprechender Motor dagegen kann das Hinterrad durchdrehen lassen, wenn Sie im Gelände plötzlich kräftig in die Pedale treten.
Oberhalb der 25-km/h-Grenze, bei der die Motorunterstützung endet, zeigt sich ein weiterer Unterschied: Manche Motoren lassen sich auch ohne Unterstützung leicht und natürlich weitertreten, andere erzeugen einen spürbaren Widerstand. Wer auf der Abfahrt oder auf der Straße zum nächsten Trailabschnitt viel selbst tritt, sollte auf ein System mit geringem Schleppwiderstand achten, also wenig Widerstand beim Treten ohne Motor.
Auf dem Markt sind derzeit Systeme von Bosch, Shimano, Yamaha, Brose, Fazua, TQ-Systems, SRAM, Specialized, Pinion und weiteren Herstellern. Die Unterschiede liegen weniger in der reinen Leistung als in der Charakteristik: Manche Motoren fühlen sich kräftig und direkt an, andere betonen ein natürliches, fahrradähnliches Fahrgefühl. Probefahrten mit mehreren Systemen sind deshalb der einzige verlässliche Weg, den passenden Motor zu finden.
Der Akku bestimmt die Reichweite
Die Akkukapazität wird in Wattstunden (Wh) angegeben und sagt aus, wie viel Energie der Akku speichert. Die üblichen Kapazitäten variieren je nach Modell und Einsatzzweck stark. Ein 500-Wh-Akku, wie ihn etwa das Rockrider E-Expl 520S von Decathlon verwendet, gilt als solider Mittelwert für Touren von zwei bis vier Stunden, je nach Unterstützungsstufe und Gelände.
Die tatsächliche Reichweite hängt von mehreren Faktoren ab, die Sie selbst beeinflussen können. Wer im Eco-Modus fährt und auf ebenen Abschnitten selbst mittritt, kommt deutlich weiter als jemand, der im Turbo-Modus ständig volle Leistung abruft. Auch Steigungen, Gegenwind, Reifendruck und das Gesamtgewicht von Fahrer und Gepäck verringern die Reichweite spürbar. Im Winter sinkt die Kapazität zusätzlich, weil Kälte die chemischen Prozesse im Akku verlangsamt.
Ein wichtiger Punkt beim Kauf ist die Frage, ob der Akku entnehmbar ist. Ein herausnehmbarer Akku lässt sich bequem in der Wohnung oder im Büro laden und kann auf langen Touren durch einen zweiten Akku ersetzt werden. Bei vielen vollgefederten E-Mountainbikes sitzt der Akku fest im Rahmen, was das Gewicht tiefer und zentraler platziert und das Fahrverhalten verbessert, aber das Laden umständlicher macht.
Fahrverhalten: Worauf es im Gelände ankommt
Das Fahrverhalten eines E-Mountainbikes hängt von vier Faktoren ab: der Geometrie, dem Federweg, der Radgröße und dem Gewicht. Der Federweg, also der Weg, den die Federung beim Einfedern zurücklegt, variiert je nach Bauart und Einsatzzweck stark. Mehr Federweg bedeutet mehr Komfort und Sicherheit in grobem Gelände, macht das Rad aber schwerer und träger in der Lenkung.
Die Radgröße beeinflusst, wie gut das Rad Hindernisse überrollt: 29-Zoll-Laufräder rollen leichter über Hindernisse und bieten mehr Laufruhe, während kleinere Räder agiler und wendiger sind. Viele Hersteller setzen bei E-Mountainbikes auf 29 Zoll, weil die größeren Räder die Stabilität bei höherem Gewicht verbessern.
Das Gewicht wirkt sich beim E-Mountainbike in zwei Richtungen aus. Ein schweres Rad lässt sich bergauf nur mit mehr Motorunterstützung bewegen, was den Akku schneller leert. Bergab und in der Luft wirkt das Gewicht dagegen stabilisierend, solange die Federung darauf abgestimmt ist. Ein vollgefedertes E-Mountainbike wiegt je nach Ausstattung und Material unterschiedlich. Jedes Kilogramm weniger macht sich vor allem beim Anheben, Wenden und bei langen Anstiegen bemerkbar.
Ein Beispiel: Rockrider E-Expl 520S
Das Rockrider E-Expl 520S von Decathlon zeigt, was in der Preisklasse unter 3000 Euro möglich ist. Das vollgefederte E-Mountainbike kostet 2999 Euro und bringt 140 Millimeter Federweg, einen Brose-Drive-T-Motor und einen 500-Wh-Akku mit. Dazu kommen 29-Zoll-Laufräder und ein Gewicht von 25,6 Kilogramm. Decathlon ist für günstige Preise bekannt, doch die neue E-Expl-Serie sieht nicht nach Discounter-Ware aus und ist auf echte Geländetauglichkeit ausgelegt.
Für unter 3000 Euro muss das Rad echte Offroad-Fähigkeiten und Trail-Spaß bieten; mit 140 Millimetern Federweg liegt es im Bereich eines Trailbikes, das sowohl Anstiege als auch mittelschwere Abfahrten bewältigen sollte. Der Brose-Motor gilt als kultiviert und leise, mit einer natürlichen Kraftentfaltung, die sich für Einsteiger gut dosieren lässt. Das Gewicht von 25,6 Kilogramm ist für die Preisklasse typisch, aber nicht leicht.
Für die Kaufentscheidung zählt letztlich, wofür Sie das Rad nutzen wollen. Wer überwiegend auf Forstwegen und leichten Trails unterwegs ist, findet mit einem solchen Rad ein stimmiges Gesamtpaket. Wer regelmäßig anspruchsvolle Abfahrten mit großen Sprüngen fährt, sollte in mehr Federweg und leichtere Komponenten investieren, was den Preis deutlich steigen lässt.