Wenn Sie Ihr Fahrrad mit einem Umbausatz zum Pedelec machen, hängt die passende Motorposition vom Fahrrad und davon ab, wo Sie fahren. Ein Vorderradmotor lässt Kette und Schaltung am Hinterrad weitgehend unverändert. Ein Hinterradmotor sitzt am angetriebenen Hinterrad. Ein Mittelmotor überträgt seine Kraft über Kurbel und Kette. Für häufige Steigungen eignet sich eher ein Mittelmotor. Wenn Sie möglichst wenig am Fahrrad verändern möchten, kommt ein Nabenmotor infrage.
Gabel, Rahmen, Bremsen und Schaltung müssen für den Umbausatz geeignet sein. Lassen Sie auch das Fahrrad prüfen. Der Motor erhöht die Belastung, und manche Schäden sind von außen nicht zu sehen.
Die drei Motorpositionen im Vergleich
| Motorposition | Stärken | Einschränkungen | Passt eher, wenn … |
|---|---|---|---|
| Vorderradnabenmotor | Der hintere Antrieb bleibt weitgehend erhalten. | Gabel und Ausfallenden müssen geeignet sein. Auf losem oder nassem Untergrund kann das Vorderrad leichter die Traktion verlieren. | Sie vor allem auf befestigten, eher flachen Strecken fahren und die Gabel für das Set freigegeben ist. |
| Hinterradnabenmotor | Der Motor sitzt am Hinterrad, das beim Beschleunigen und mit Gepäck oft stärker belastet ist. | Hinterradnabe, Schaltung, Einbaumaße und Bremsen müssen zusammenpassen. | Sie Gepäck transportieren oder einen Nabenmotor am Hinterrad bevorzugen und die Komponenten kompatibel sind. |
| Mittelmotor | Er nutzt die Fahrradschaltung. Das hilft besonders, wenn Sie an Steigungen in einen leichteren Gang schalten. | Rahmen und Tretlager müssen passen. Kette, Kassette und Kettenblatt können stärker verschleißen. | Sie häufig in hügeligem Gelände fahren und ein stärker ans Treten gekoppeltes Fahrgefühl möchten. |
Die Tabelle beschreibt allgemeine Unterschiede. Sie bestätigt nicht, dass ein Motor zu einem bestimmten Fahrrad passt. Auch das Gewicht und der Platz für den Akku beeinflussen das Fahrverhalten. Prüfen Sie deshalb die Angaben zum konkreten Set und Fahrradmodell.
Wann ein Vorderradmotor passt
Ein Vorderradmotor ersetzt das bisherige Vorderrad durch ein Rad mit Motor. Kette und Schaltung am Hinterrad bleiben dabei weitgehend unverändert. Für flache Alltagsstrecken kommt diese Bauart infrage, wenn Gabel und Bremsen zum Motor passen.
Beim Anfahren, an Steigungen und auf rutschigem Untergrund braucht das Vorderrad ausreichend Grip. Die Motorachse leitet Kräfte an die Gabel und ihre Ausfallenden weiter. Manche Umbausätze benötigen dafür eine Drehmomentstütze. Dieses Bauteil fängt die Drehung der Motorachse ab. Prüfen Sie trotzdem anhand der Herstellerangaben, ob die Gabel geeignet ist. Eine Drehmomentstütze allein bedeutet nicht, dass sich jede Gabel sicher verwenden lässt.
Carbon- und Federgabeln sind nicht grundsätzlich für Vorderradmotoren geeignet oder ungeeignet. Fragen Sie vor dem Kauf beim Fahrradhersteller und beim Anbieter des Umbausatzes nach. Wenn Sie nicht klären können, ob die Gabel geeignet ist und wie der Motor montiert werden muss, wählen Sie für dieses Fahrrad keinen Vorderradmotor.
Wann ein Hinterradmotor passt
Ein Hinterradnabenmotor ersetzt das Hinterrad. Da der Motor das Hinterrad antreibt, kann es bei Gepäck oder beim Beschleunigen mehr Traktion haben. Wie gut das funktioniert, hängt auch vom Fahrrad, vom Untergrund und von der Beladung ab.
Prüfen Sie zuerst, ob das Hinterrad mit Motor zur Schaltung und zur Hinterradnabe passt. Vergleichen Sie außerdem Einbaubreite, Achsaufnahme und Bremsaufnahme. Bei einer Nabenschaltung oder Rücktrittbremse brauchen Sie eine ausdrückliche Bestätigung, dass genau dieses Set damit funktioniert. Die Einschränkungen hängen vom jeweiligen Motor ab. Angaben zu einem Produkt gelten nicht automatisch für alle Hinterradmotoren.
Wann ein Mittelmotor passt
Ein Mittelmotor sitzt beim Tretlager und überträgt seine Kraft über Kurbel und Kette. Sie nutzen dabei die Gänge des Fahrrads. An einer Steigung fällt das Treten leichter, wenn Sie rechtzeitig in einen passenden Gang schalten.
Ein Mittelmotor belastet Kette und Ritzel stärker als ein Nabenmotor, weil seine Kraft über diese Teile auf das Hinterrad übertragen wird. Kette, Kassette und Kettenblatt können deshalb schneller verschleißen. Prüfen Sie vor dem Kauf, ob Motor und Fahrrad beim Tretlagermaß und bei der Rahmenform zusammenpassen. Nicht jedes Mittelmotor-Set funktioniert mit einer Nabenschaltung oder Rücktrittbremse. Prüfen Sie die Angaben des Herstellers für das konkrete Set.
Fahrrad und Umbausatz auf Kompatibilität prüfen
Lassen Sie Fahrrad und Bauteile prüfen, bevor Sie ein Set bestellen. Bei einer Sichtkontrolle bleiben manche Schäden unentdeckt. Deshalb raten der ADFC und die von ihm zitierten Sachverständigen grundsätzlich zur Vorsicht bei Nachrüstungen. Motor und Akku erhöhen das Gewicht. Die Unterstützung belastet außerdem Rahmen, Gabel und weitere Bauteile anders.
Prüfen Sie mindestens diese Punkte:
- Zustand: Lassen Sie Rahmen, Gabel, Räder, Speichen, Bremsen und Antrieb prüfen. Ein stark genutztes oder beschädigtes Fahrrad eignet sich möglicherweise nicht für den Umbau.
- Einbaumaße: Bei einem Nabenmotor müssen Einbaubreite und Achsaufnahme zum Rad passen. Bei einem Mittelmotor müssen Tretlagerstandard und Rahmenform stimmen. Maßangaben in einer Produktbeschreibung gelten nur für die dort genannten Sets.
- Bremsen und Schaltung: Prüfen Sie, ob das Set zu Bremsscheibe oder Felgenbremse sowie zu Kassette, Schraubkranz, Nabenschaltung und Rücktrittbremse passt. Welche Kombinationen funktionieren, hängt vom Produkt ab.
- Gabel und Ausfallenden: Fragen Sie beim Nabenmotor, ob die konkrete Gabel oder der Hinterbau dafür geeignet ist und ob Sie eine Drehmomentstütze benötigen.
- Akku und Montage: Prüfen Sie, wo Sie den Akku sicher befestigen können und ob Kabel, Anschlüsse und Halterungen zum Fahrrad passen. Wenn Maße oder Montage unklar sind, lassen Sie eine qualifizierte Werkstatt Fahrrad und Set vor dem Kauf gemeinsam prüfen.
Berücksichtigen Sie auch die Kosten für Akku, Einbau, Ersatzteile und Prüfung. Wenn das Fahrrad erst repariert werden muss, kostet ein Umbausatz nicht unbedingt weniger als ein neues Pedelec. Lassen Sie sich schriftlich bestätigen, ob der Fahrradhersteller oder der Anbieter den Umbau unterstützt; Garantie und Haftung hängen vom Hersteller und vom jeweiligen Fall ab.
Motor nach Strecke und Gepäck wählen
Für flache, befestigte Alltagswege eignet sich ein Vorderradmotor, wenn die Gabel nachweislich dafür ausgelegt ist. Bei einem Hinterradmotor prüfen Sie zuerst Schaltung, Bremsen und Einbaumaße. Wenn Sie häufig an Steigungen fahren, spricht die Nutzung der Fahrradgänge für einen Mittelmotor. Dafür müssen Tretlager und Antrieb passen, und Sie sollten den möglichen höheren Verschleiß einplanen.
Mit Gepäck kommt ein Hinterradmotor infrage, wenn er zu den hinteren Bauteilen passt. Dadurch sind Fahrsicherheit und Traktion nicht bei jeder Beladung besser. Bei einer Nabenschaltung oder Rücktrittbremse hängt die passende Motorempfehlung vom konkreten Modell ab. Prüfen Sie dessen Eignung.
Welche Regeln für ein Pedelec gelten
Nach § 1 Absatz 3 des Straßenverkehrsgesetzes gilt ein muskelkraftbetriebenes Fahrzeug in Deutschland unter bestimmten Voraussetzungen nicht als Kraftfahrzeug. Die Unterstützung muss mit steigender Geschwindigkeit abnehmen und spätestens bei 25 km/h sowie dann aussetzen, wenn Sie aufhören zu treten. Auch eine Anfahr- oder Schiebehilfe bis 6 km/h ist erlaubt.
Die Leistungsangabe auf der Verpackung sagt allein nicht, ob ein Set zulässig ist. Prüfen Sie die Unterlagen zum konkreten Umbausatz. Klären Sie, ob dessen Unterstützung und Abschaltung den gesetzlichen Vorgaben entsprechen. Die Motorleistung allein bedeutet nicht, dass Sie das Set automatisch im öffentlichen Verkehr verwenden dürfen.