Den richtigen Fahrradreifen wählen

Vor dem Kauf eines neuen Fahrradreifens müssen Sie Reifengröße, Reifenbreite und Einsatzzweck klären. Der Luftdruck entscheidet über Komfort und Sicherheit.

Reifengröße bestimmen

Bevor Sie über Profil oder Pannenschutz nachdenken, muss die Größe stimmen. Die wichtigste Angabe ist die ETRTO-Nummer. Das ist eine genormte Größenbezeichnung der European Tire and Rim Technical Organisation. Sie steht auf der Reifenflanke und besteht aus zwei Zahlen. Die erste Zahl gibt die Reifenbreite in Millimetern an, die zweite den Innendurchmesser, also die Größe der Felge.

Daneben finden Sie oft Angaben in Zoll oder in der Form 700x35c. Diese Bezeichnungen sind weniger präzise, weil sie je nach Hersteller und Land unterschiedlich interpretiert werden können. Die ETRTO-Nummer ist die verlässliche Referenz. Prüfen Sie sie am alten Reifen oder in der Bedienungsanleitung Ihres Fahrrads. Ein Reifen mit falschem Innendurchmesser passt nicht auf die Felge. Eine zu schmale oder zu breite Variante kann die Fahreigenschaften verändern.

Reifenbreite: Was passt zu welchem Rad?

Die passende Reifenbreite hängt vom Fahrradtyp ab. Ein Rennrad fährt mit schmalen Reifen, ein Mountainbike mit breiten Stollenreifen, ein City- oder Trekkingrad liegt dazwischen. Entscheidend ist, was Ihre Felge und Ihr Rahmen zulassen. Die Felge hat eine maximale und minimale Reifenbreite, die Sie in den Herstellerangaben oder anhand der ETRTO-Nummer ablesen können.

Rennräder und Cyclocross-Räder reagieren besonders empfindlich auf Abweichungen. Hier hat die Reifenbreite den größten Einfluss auf das Fahrverhalten. Eine Abweichung von mehr als fünf Millimetern ist bereits erheblich. Sie verändert Rollwiderstand, Kurvenlage und Komfort spürbar. Bei City- und Trekkingrädern ist der Spielraum größer, aber auch hier gilt: Halten Sie sich an die Vorgaben von Rahmen und Felge, sonst riskieren Sie Scheuerstellen oder einen Reifen, der nicht richtig sitzt.

Reifentypen: Draht, Faltreifen und Tubeless

Reifen unterscheiden sich nicht nur in der Größe, sondern auch im Aufbau. Der klassische Drahtreifen hat einen Drahtkern im Wulst, der ihn auf der Felge hält. Er ist günstig, robust und lässt sich leicht montieren. Viele Drahtreifen haben einen eingearbeiteten Pannenschutz, der die empfindliche Lauffläche verstärkt. Für Alltagsräder und Pendler ist das eine solide Wahl.

Faltreifen haben statt des Drahts einen Kern aus Kevlar oder einem ähnlichen Material. Sie lassen sich zusammenfalten, sind leichter und haben oft einen geringeren Rollwiderstand. Dafür kosten sie mehr. Wer viel fährt oder Wert auf Effizienz legt, bekommt hier spürbare Vorteile.

Tubeless-Reifen, also schlauchlose Reifen, sind vor allem bei Mountainbikes und zunehmend bei Rennrädern verbreitet. Sie werden mit Dichtmittel auf der Felge abgedichtet und haben keinen Schlauch. Der Vorteil: Kleinere Pannen durch Stiche oder Dornen schließen sich oft von selbst, und Sie können den Reifen mit weniger Druck fahren, was den Grip verbessert. Der Nachteil: Die Montage ist anspruchsvoller, und Sie brauchen eine tubeless-taugliche Felge. Für Einsteiger ist ein Reifen mit Schlauch die einfachere Lösung.

Profil: Glatt, Stollen oder Mischform

Das Profil bestimmt, wo der Reifen gut funktioniert. Ein glatter Reifen ohne Profil, ein sogenannter Slick, hat wenig Rollwiderstand und liegt auf Asphalt ruhig. Er ist die beste Wahl für Stadt, Straße und gut ausgebaute Wege. Bei Nässe sorgt die glatte Fläche für ausreichend Grip, solange Sie nicht in Schotter oder Matsch fahren.

Stollenreifen mit grobem Profil gehören aufs Mountainbike. Sie greifen auf losem Untergrund, in Wurzeln und bei Schlamm. Auf Asphalt rollen sie schwerer, sind lauter und verschleißen schneller. Wer hauptsächlich Straße fährt, aber gelegentlich einen Feldweg nimmt, wählt besser einen Semi-Slick: glatte Mitte für die Straße, Stollen an den Seiten für Kurven auf losem Grund. Diese Mischform deckt die meisten Alltagsfahrten ab.

Pannenschutz: Was bringt er wirklich?

Pannenschutz ist eine Verstärkung zwischen Lauffläche und Karkasse, meist aus Kevlar oder einem anderen reißfesten Material. Er schützt vor Glas, Dornen und kleinen Steinchen, die in den Reifen eindringen wollen. Ein Reifen mit Pannenschutz ist schwerer und oft etwas härter im Fahrgefühl, dafür sinkt das Risiko eines platten Reifens deutlich.

Für Pendler und Vielfahrer lohnt sich der Aufpreis. Wer nur gelegentlich fährt und auf gutem Untergrund unterwegs ist, kann auf den zusätzlichen Schutz verzichten. Pannenschutz verhindert keine Durchschläge, also Schäden, die durch zu niedrigen Druck entstehen, wenn die Felge auf ein Hindernis schlägt. Dagegen hilft nur der richtige Luftdruck.

Reifendruck richtig einstellen

Der Luftdruck entscheidet, wie der Reifen sich anfühlt und wie sicher Sie fahren. Zu wenig Druck führt zu höherem Rollwiderstand, schlechterer Kurvenlage und einem höheren Risiko für Durchschläge. Zu viel Druck macht den Reifen hart, reduziert den Komfort und verringert die Auflagefläche, was auf nasser Fahrbahn den Grip verschlechtert. Der optimale Druck hängt vom Fahrradtyp, vom Reifen und vom Fahrergewicht ab.

Reifen verlieren auch ohne Fahren Luft. Pro Monat kann bis zu ein bar aus dem Reifen entweichen, je nach Reifen, Temperatur und Lagerung. Deshalb sollten Sie den Druck regelmäßig prüfen, am besten alle ein bis zwei Wochen. Eine kleine Luftpumpe mit Manometer gehört zur Grundausstattung. Die empfohlenen Druckwerte finden Sie auf der Reifenflanke, meist als Bereich in bar. Orientieren Sie sich am oberen Wert für schwerere Fahrer und am unteren für leichtere, und passen Sie den Druck an die Bedingungen an: weniger Druck für Komfort und Grip auf schlechtem Untergrund, mehr Druck für geringen Rollwiderstand auf glatter Straße.