Das richtige Fahrradschloss gegen Diebstahl auswählen

In Deutschland werden jedes Jahr Hunderttausende Fahrräder gestohlen. Allein 2017 waren es rund 300.000. In Berlin verschwindet im Schnitt alle 17 Minuten ein Rad. Der Verlust ist nicht nur materiell, sondern auch ärgerlich, wenn das Rad der tägliche Begleiter war.

Die meisten Diebstähle sind Gelegenheitstaten. Ein sichtbar widerstandsfähiges Schloss schreckt Diebe meist ab. Welches Schloss das richtige ist, hängt von drei Fragen ab: Wie viel ist Ihr Fahrrad wert, wo stellen Sie es ab und wie lange bleibt es dort stehen?

Sicherheitsstufen verstehen

Die Sicherheitsstufe zeigt an, wie lange ein Schloss Angriffen mit Werkzeug standhält. In Deutschland gibt es eine mehrstufige Skala, die auf die Tests der Stiftung Warentest zurückgeht. Stufe 1 bis 5 schützt gegen Gelegenheitsdiebe. Mittlere Stufen halten Bolzenschneider und Stahlsäge eine Weile auf. Hohe Stufen widerstehen auch längeren Angriffen mit schwerem Werkzeug. Tester ermitteln die Stufe, indem sie Schlösser unter anderem mit Seitenschneidern, Stahlsägen und Bolzenschneidern angreifen.

Höhere Stufen bedeuten in der Regel mehr Gewicht und einen höheren Preis. Für ein günstiges Alltagsrad reicht eine Stufe zwischen 5 und 7. Ein Rad im mittleren Preissegment sollten Sie mit Stufe 8 oder höher sichern. Bei teuren Rädern und E-Bikes empfehlen sich die höchsten Stufen, am besten in Kombination mit einem zweiten Schloss. In Tests schnitten unter anderem Schlösser von Abus, Contec und Nean gut ab. Die Sicherheitsstufe des jeweiligen Modells zählt aber mehr als der Markenname.

Die fünf Schlossarten im Vergleich

Bügelschloss. Ein starrer Bügel aus gehärtetem Stahl wird mit einem Querriegel verschlossen. Es zählt zu den sichersten Schlossarten, weil der Bügel wenig Angriffsfläche bietet und Bolzenschneider kaum Platz finden. Nachteil: Es ist schwer und sperrig und lässt sich nur an Gegenständen anschließen, die nicht zu dick sind. Bügelschlösser eignen sich für kurze und mittlere Parkzeiten, besonders bei teuren Rädern.

Faltschloss. Mehrere gehärtete Stahlplatten sind durch Nieten verbunden und lassen sich zu einem kompakten Paket zusammenfalten. Es ist ein guter Kompromiss aus Sicherheit, Gewicht und Flexibilität, weil es sich um Laternenpfähle und Geländer wickeln lässt. Gute Modelle erreichen mittlere bis hohe Sicherheitsstufen. Für Pendler, die das Schloss täglich mitnehmen, ist es oft die beste Wahl.

Kettenschloss. Eine Kette aus gehärtetem Stahl mit integriertem oder separatem Schloss. Sie ist flexibel und lässt sich um fast jeden Gegenstand legen, auch um Rahmen und beide Räder. Schwere Ketten mit dicken Gliedern gehören zu den sichersten Schlössern, sind aber auch am unhandlichsten. Wer das Rad regelmäßig über Nacht draußen lässt, nimmt das Gewicht in Kauf.

Rahmenschloss. Das Schloss ist fest am Rahmen montiert und verriegelt das Hinterrad. Es ist bequem, weil Sie nichts mitnehmen müssen. In Ländern wie den Niederlanden ist es der Standard für Alltagsräder. Der Nachteil: Es sichert nur das Hinterrad, der Rahmen bleibt frei. Ein Rahmenschloss sollten Sie immer mit einem Kabel- oder Kettenschloss kombinieren, das den Rahmen an einen festen Gegenstand bindet.

Kabelschloss. Ein Stahlkabel mit Schloss ist leicht und günstig. Es lässt sich schnell um Rahmen und Rad legen, bietet aber kaum Schutz, weil ein Bolzenschneider das Kabel mühelos durchtrennt. Als alleiniges Schloss taugt es nur für sehr günstige Räder oder kurze Stopps. Sinnvoll ist es als Zweitschloss, um das zweite Laufrad zu sichern.

Welches Schloss für welchen Einsatzzweck

Alltag und Besorgungen. Wer in der Stadt kurze Wege fährt und das Rad vor Geschäften oder der Wohnung abstellt, kommt mit einem Faltschloss oder einem Rahmenschloss mit Kabel gut hin. Für ein Rad im mittleren Preissegment reicht Sicherheitsstufe 5 bis 8. Nutzen Sie das Schloss auch bei kurzen Stopps, denn ein offen abgestelltes Rad lädt geradezu zum Mitnehmen ein.

Pendeln. Wer täglich mit dem Rad zum Bahnhof oder zur Arbeit fährt und es dort mehrere Stunden abstellt, braucht mehr Schutz. Ein Bügelschloss oder ein schweres Faltschloss mit Stufe 8 oder höher ist hier die richtige Wahl. Stellen Sie das Rad an gut einsehbaren, belebten Orten ab und schließen Sie es an feste Fahrradständer an. Wer regelmäßig am selben Ort parkt, sollte prüfen, ob es dort einen bewachten oder abschließbaren Abstellplatz gibt.

E-Bikes. E-Bikes sind wegen ihres hohen Werts besonders beliebt bei Dieben. Hier lohnt sich die höchste Sicherheitsstufe, also ein massives Bügelschloss oder eine schwere Kette mit der höchsten Stufe. Sichern Sie zusätzlich das zweite Laufrad mit einem Kabel- oder Faltschloss, denn zwei verschiedene Schlösser zwingen Diebe, unterschiedliches Werkzeug mitzubringen. Nehmen Sie den Akku ab und mit, wenn Sie das Rad abstellen. Notieren Sie sich die Rahmennummer und bewahren Sie den Kaufbeleg auf, damit Sie das Rad im Diebstahlfall identifizieren können. Schlösser mit Alarm oder GPS-Ortung können zusätzlichen Schutz bieten, ersetzen aber kein massives Bügelschloss.

So schließen Sie richtig an

Das beste Schloss nützt wenig, wenn Sie es falsch einsetzen. Schließen Sie immer Rahmen und Hinterrad an einen festen Gegenstand an, etwa einen Fahrradständer oder ein Geländer. Der Rahmen ist der wertvollste Teil. Das Hinterrad lässt sich sonst in Minuten ausbauen. Führen Sie das Schloss durch Rahmen und Hinterrad, dann lässt sich das Rad nicht einfach herausheben.

Halten Sie das Schloss möglichst nah am Boden, aber nicht direkt auf dem Boden. Ein Schloss, das auf dem Asphalt liegt, kann ein Dieb mit einem Hammer oder Wagenheber aufbrechen. Achten Sie außerdem darauf, dass das Schloss den Gegenstand umschließt, an dem Sie das Rad befestigen, und nicht nur durch eine Öffnung gesteckt wird, aus der es sich herausziehen lässt. Nehmen Sie abnehmbare Teile wie Licht, Sattelstütze oder Taschen mit oder sichern Sie sie zusätzlich. Ein Rad, das mit mehreren Schlössern gesichert ist, schreckt Diebe ab, weil der Aufwand steigt.