Das E-Mountainbike richtig einstellen und fahren
Ein E-Mountainbike bringt Sie nur dann schneller und weiter über Stock und Stein, wenn Federung, Sitzposition und Unterstützungsstufen zu Ihrem Gewicht und Fahrstil passen. Ein unangenehmes Fahrgefühl entsteht meist durch eine falsch eingestellte Federgabel oder einen falsch eingestellten Dämpfer. Wer die Grundlagen der Einstellung beherrscht und einige Fahrtechniken kennt, holt mehr Komfort und Kontrolle aus dem Rad, ohne teures Zubehör zu kaufen.
Die Federung auf Ihr Gewicht abstimmen
Die Federgabel vorn und der Dämpfer hinten federn Stöße von Wurzeln, Steinen und Absätzen ab. Der Federweg gibt an, wie weit sich die Federung zusammendrücken lässt. Damit die Federung arbeiten kann, muss sie unter Ihrem Gewicht einsinken. Dieses Einsinken nennt man SAG, also den negativen Federweg, den die Federung im Stand mit Ihrem Körpergewicht zurücklegt.
Der SAG sollte je nach Einsatz und Herstellerangabe in einem passenden Bereich des gesamten Federwegs liegen. Für Touren und gemütliches Fahren wählen Sie einen höheren SAG, für sportliches Fahren und technische Abfahrten einen niedrigeren. Sie messen den SAG, indem Sie mit voller Ausrüstung auf dem Rad sitzen und den Abstand zwischen zwei Markierungen an der Gabel oder am Dämpfer ablesen. Dazu brauchen Sie eine zweite Person oder eine Wand, an der Sie sich abstützen können.
Stellen Sie den Luftdruck in der Gabel und im Dämpfer so ein, dass der gemessene SAG im Zielbereich liegt. Die meisten Hersteller geben auf dem Bauteil oder in der Anleitung einen empfohlenen Druckbereich für Ihr Gewicht an. Beginnen Sie mit dem Mittelwert und korrigieren Sie in kleinen Schritten von etwa fünf Prozent. Wenn die Federung zu hart einsinkt, erhöhen Sie den Druck; wenn sie zu wenig einsinkt, verringern Sie ihn. Nach dem Einstellen des SAG prüfen Sie die Dämpfungseinstellungen, also die Zugstufe und die Druckstufe, die das Aus- und Einfedern kontrollieren. Diese Einstellungen sind weniger kritisch als der SAG, aber ein zu hart eingestellter Dämpfer macht das Rad springig, ein zu weicher lässt es durchschlagen.
Sattelhöhe und Vorbau einstellen
Die richtige Sitzhöhe bestimmt, wie effizient Sie in die Pedale treten und wie sicher Sie in der Abfahrt stehen. Setzen Sie sich auf das Rad und stellen Sie den Sattel so ein, dass Ihr Bein bei durchgedrücktem Pedal in der unteren Position fast durchgestreckt ist, ohne dass Ihr Becken kippt. Bei einem E-Mountainbike ist die Sitzhöhe besonders wichtig, weil der Motor Ihre Tretbewegung verstärkt und eine falsche Position zu Kniebeschwerden führen kann.
Der Vorbau und der Lenker bestimmen, wie aufrecht oder gestreckt Sie sitzen. Für Touren und entspanntes Fahren wählen Sie eine aufrechtere Position, für sportliches Fahren eine gestrecktere. Viele E-Mountainbikes haben einen verstellbaren Vorbau, mit dem Sie den Lenker höher oder tiefer setzen können. Testen Sie verschiedene Positionen auf einer kurzen Fahrt und achten Sie darauf, dass Ihre Arme leicht gebeugt bleiben und Sie den Lenker sicher greifen können, ohne dass die Schultern hochziehen.
Mit dem E-Motor richtig umgehen
Der Motor unterstützt Sie nur beim Treten, und die Stärke hängt von der gewählten Stufe ab. Für den Einstieg wählen Sie eine niedrige Unterstützungsstufe, bis Sie ein Gefühl für die Beschleunigung und das höhere Gewicht des Rades entwickelt haben. Das E-Mountainbike wiegt deutlich mehr als ein normales Mountainbike, und der Motor schiebt Sie beim Anfahren und an Steigungen spürbar nach vorn. Diese Kraft erfordert eine ruhige Hand am Lenker und eine stabile Körperhaltung.
In technischen Passagen mit Wurzeln und Steinen schalten Sie die Unterstützung herunter oder ganz aus. Der Motor reagiert auf Ihre Tretbewegung und kann in unebenem Gelände ruckartig beschleunigen, was die Kontrolle erschwert. Schalten Sie rechtzeitig herunter, bevor Sie in eine schwierige Stelle fahren, und treten Sie gleichmäßig weiter, damit der Motor nicht abrupt einsetzt. An steilen Anstiegen hilft eine mittlere Unterstützungsstufe, um den Berg mit kontrolliertem Tempo zu bewältigen, ohne dass das Vorderrad abhebt.
Fahrtechnik für das höhere Gewicht
Das zusätzliche Gewicht des Akkus und des Motors verändert das Fahrverhalten spürbar. Das Rad liegt schwerer in der Kurve und braucht mehr Kraft, um die Richtung zu ändern. Verlagern Sie Ihr Gewicht aktiv: In der Abfahrt gehen Sie mit dem Gesäß hinter den Sattel und senken den Oberkörper, damit das Hinterrad nicht abhebt. In der Steigung ziehen Sie den Oberkörper nach vorn und halten das Vorderrad auf dem Boden.
Bremsen Sie früher und dosierter als mit einem normalen Mountainbike. Das höhere Gewicht verlängert den Bremsweg, und eine abrupte Bremsung kann das Vorderrad blockieren. Üben Sie das Bremsen auf einer ebenen Strecke, bis Sie ein Gefühl dafür haben, wie viel Kraft die Bremsen benötigen. In Kurven bremsen Sie vor der Kurve und beschleunigen erst wieder, wenn Sie die Kurve ausgerichtet haben.
Die ersten Fahrten planen
Wenn Sie ein neues E-Mountainbike haben, nehmen Sie sich ein paar Tage Zeit, um das Rad auf vertrauten Wegen kennenzulernen. Fahren Sie zunächst auf Feldwegen und breiten Trails, bevor Sie sich in anspruchsvolles Gelände wagen. Sie müssen sich an die Beschleunigung des Motors, das höhere Gewicht und die veränderte Sitzposition gewöhnen. Das gilt auch, wenn Sie schon normale Mountainbikes gefahren sind, denn der E-Antrieb fühlt sich grundlegend anders an.
Wählen Sie für die ersten Ausfahrten eine Strecke, die Sie gut kennen und die keine großen technischen Herausforderungen bietet. So können Sie sich auf das Rad konzentrieren, ohne gleichzeitig auf unbekanntes Terrain achten zu müssen. Steigern Sie die Schwierigkeit erst, wenn Sie sich sicher fühlen und die Unterstützungsstufen im Griff haben.