Beim E-Mountainbike bestimmen Motor und Akku, wie stark die Unterstützung am Berg ist und wie weit eine Akkuladung reicht. Ein Motor mit viel Drehmoment oder ein großer Akku passt deshalb nicht automatisch am besten. Entscheidend sind auch Ihr Fahrstil, Ihre Touren und ob Sie die Motorunterstützung auf dem Trail gut dosieren können.
Für lange, steile Anstiege eignet sich oft ein kräftiger Full-Power-Antrieb. Wer aktiv mittritt und ein leichteres, agileres Bike sucht, sollte auch Light- oder Mid-Power-Modelle probefahren. Dabei zählt das Fahrgefühl mehr als ein einzelner Datenblattwert.
Was Nm und Watt aussagen
Newtonmeter, abgekürzt Nm, beschreiben das Drehmoment des Motors. Es beeinflusst, wie kräftig der Motor beim Treten anschiebt, besonders bei niedriger Trittfrequenz und am steilen Berg. Watt geben die Leistung an. Achten Sie beim Vergleichen darauf, ob der Hersteller die Dauerleistung oder eine kurzfristige Spitzenleistung nennt. Diese Werte sind nicht gleichzusetzen.
Auch der Unterstützungsfaktor spielt eine Rolle. Er beschreibt, wie stark der Motor Ihre eigene Tretleistung ergänzt. Für das Fahrgefühl ist auch wichtig, wie schnell der Motor auf den Pedaldruck reagiert und wie genau Sie die Unterstützung regeln können. Auf lockerem Untergrund ist eine gut dosierbare Unterstützung oft hilfreicher als besonders viel Schub.
Die Zahlen geben Ihnen deshalb nur einen ersten Anhaltspunkt. Full-Power-Antriebe liegen häufig etwa zwischen 85 und 100 Nm. Light- oder Mid-Power-Antriebe bewegen sich oft um 50 bis 60 Nm und werden häufig in leichtere Bikes eingebaut. Die Bereiche sind grobe Orientierungswerte und können je nach Bike variieren; einzelne Testwerte lassen sich nicht direkt übertragen. Außerdem hängt das Fahrgefühl von der Abstimmung und vom gesamten Bike ab.
Welcher Antrieb passt zu Ihnen?
Ein Full-Power-Antrieb bietet sich an, wenn Sie häufig steile oder lange Anstiege fahren und dabei möglichst viel Unterstützung möchten. Das gilt auch, wenn Sie viele Höhenmeter bewältigen oder am Berg weniger Kraft einsetzen wollen. Solche Bikes sind oft schwerer, wobei Akku, Rahmen und Einbau ebenfalls zum Gesamtgewicht beitragen.
Ein leichterer Antrieb passt eher, wenn Sie selbst kräftig mittreten und auf ein sportliches, agiles Fahrgefühl Wert legen. Die geringere Drehmomentzahl allein ist kein Grund, ein Light-E-MTB auszuschließen. Manche Modelle kombinieren einen leichteren Motor mit einem vergleichsweise großen Akku.
Achten Sie bei technischen Anstiegen darauf, wie der Motor bei langsamem Tempo reagiert. Ein Test des Bosch SX beschrieb Schwächen beim Anfahren an steilen, technischen Stellen und einen Bedarf an hoher Trittfrequenz. Der TQ HPR60 wurde im selben Vergleich als leise und natürlich empfunden. Das sind Eindrücke aus einem bestimmten Test, keine allgemeingültige Bewertung für jedes Bike mit diesen Antrieben.
Wie viel Akku brauchen Sie?
Die Akkukapazität wird in Wattstunden (Wh) angegeben. Ein Akku mit mehr Wattstunden speichert mehr Energie, wiegt aber meist mehr und kostet mehr. Für gelegentliche Touren reicht deshalb oft ein kleinerer Akku, während lange Touren mit vielen Höhenmetern mehr Reserven verlangen. Ein Zusatzakku, ein sogenannter Range Extender, kommt infrage, wenn das jeweilige Bike dafür ausgelegt ist.
Eine verlässliche Kilometerzahl lässt sich aus der Kapazität allein nicht ableiten. Bosch nennt für E-Bikes je nach Bedingungen eine mögliche Reichweite von weniger als 50 bis deutlich über 100 Kilometern. Die Reichweite hängt unter anderem von der Unterstützungsstufe sowie davon ab, wie Sie fahren und wie viel Sie wiegen. Auch Reifendruck und Temperatur spielen eine Rolle; der Untergrund beeinflusst die Reichweite ebenfalls. Im Winter sinkt die Leistungsfähigkeit eines Akkus durch die Kälte.
Für bergige Touren ist die Zahl der möglichen Höhenmeter oft aussagekräftiger als die Kilometerreichweite. Sie bleibt allerdings ebenfalls an die jeweiligen Bedingungen gebunden. In einem Vergleichstest mit elf Antriebssystemen zeigten sich unter festgelegten Testbedingungen Unterschiede bei den erreichbaren Höhenmetern. Die Ergebnisse gelten nur für die getestete Steigung, Unterstützungsstufe und Tretleistung. Sie lassen sich nicht direkt auf Ihre Tour übertragen. Nutzen Sie solche Werte daher zum Vergleichen, nicht als Reichweitenversprechen.
Was Sie auf der Probefahrt prüfen
Fahren Sie möglichst mehrere Bikes auf derselben Strecke. Ein Parkplatztest zeigt wenig darüber, wie gut ein Motor an einem technischen Hang arbeitet. Achten Sie besonders auf diese Punkte:
- Fahren Sie an einer steilen Stelle an und prüfen Sie, ob der Motor gleichmäßig unterstützt.
- Klettern Sie langsam über Wurzeln oder losen Untergrund und testen Sie, wie fein sich die Kraft dosieren lässt.
- Schalten Sie die Unterstützungsstufen durch und prüfen Sie, ob ihre Abstufung zu Ihren Touren passt.
- Hören Sie auf das Motorgeräusch und achten Sie darauf, wie sich das Bike ohne Unterstützung fährt.
- Prüfen Sie die Gewichtsverteilung, die Bedienung und, falls für Sie wichtig, ob sich der Akku entnehmen lässt.
Beurteilen Sie dabei das gesamte Bike. Das Gewicht des Motors allein sagt wenig über das Handling aus, denn Akku, Einbau und Gewichtsverteilung im Rahmen verändern ebenfalls das Fahrgefühl.
So behandeln Sie den Akku
Verwenden Sie das zum Akkumodell passende Ladegerät und halten Sie sich an die Anleitung des Herstellers. Prüfen Sie den Akku auf sichtbare Beschädigungen. Laden Sie ihn an einem trockenen, gut belüfteten Ort und lassen Sie ihn beim Laden nicht unbeaufsichtigt, sofern der Hersteller nichts anderes vorgibt.
Die Vorgaben zur Lagerung unterscheiden sich je nach Hersteller. Bosch empfiehlt für eine längere Lagerung einen Ladestand zwischen 30 und 60 Prozent. Eine Shimano-Anleitung für bestimmte Spezialakkus der zweiten Generation nennt etwa 70 Prozent und ein Nachladen alle sechs Monate. Diese Werte gelten für die jeweils beschriebenen Akkus. Übertragen Sie sie nicht pauschal auf andere Modelle.
Akkus altern auch dann, wenn Sie sie nicht nutzen. Wie viele Jahre ein Akku hält, hängt vom Modell, seiner Nutzung, der Temperatur und der Lagerung ab. Prüfen Sie vor längeren Pausen deshalb die Vorgaben in der Bedienungsanleitung Ihres Akkus.